Edler Bräutigam! Schöne Braut! Heute wurdet ihr getraut. Drum ihr Hochbeglückten beide überlasst euch ganz der Freude. Das Gefühl, an dem Ziel sich zu sehen, gibt Seligkeit. Wandelt dann mit frohem Sinn durch die Welt auf Rosen hin. Macht den Himmel eurer Liebe je ein kleines Wölkchen trübe, seht euch an, küsst euch dann und das Wölkchen wird entfliehn! Eure Liebe welke nie, wie der Efeu grüne sie; oh, sie schenkt euch, teure beide, noch im Greisenalter Freude. Immer sei Lieb und Treu eures Lebens Führerin. Treue, Lieb und Häuslichkeit, oh, wer diesen ganz sich weiht, nie zu hoch die Wünsche spannt, Eitelkeit und Stolz verbannt; fühlet doch Freuden noch da, wo andere trostlos sind.
Ein schlimmer Bengel hat es geschafft, er kam in die „Gefängnishaft" auf lebenslänglich — wie ich sehe, denn sein „Gefängnis" ist die Ehe. Die Strafe aber ist milde genug: Er sitzt im humanen Strafvollzug.
Wollt ihr ein glücklich Los erzielen, müsst ihr im Ehestand stets unter einer Decke spielen, stets wandeln Hand in Hand! Wollt ihr nicht böse Zungen wecken, die stören euer Glück, müsst ihr die Mängel zart bedecken und schwächen Stück für Stück! Wollt ihr, dass Freunde euch besuchen, so decket gern den Tisch! Bedeckt ihn flink mit Wein und Kuchen, mit Frikassee und Fisch! Doch weil man dazu haben muss Gedecke mancherlei, so pack ich endlich zum Beschluss euch auch ein Deckchen bei!
Im Mittelalter war's noch schlecht, da hatten Frauen gar kein Recht. Sie wurden — ach, du liebe Zeit! —, dem ersten, besten Mann verfreit. Da half kein Stöhnen, Grunzen: es zählten nur die Penunzen. So dacht auch Ritter Rußig und sprach: „Heiraten muss ich!" Er nahm ein Weib. Jedoch, oh Graus! Er kam nicht aus der Rüstung raus. Sie hatte nicht viel gekostet und war total verrostet. Niemand hat Hilfe ihm gebracht. Dem Paar blieb in der Hochzeitsnacht nur Beten und dann Fasten. Ob die zusammenpassten? Bei euch gab's andere Probleme. Da war ein Knistern und Gesehne, da war die Liebe mit ihm Spiele, es ging auch nicht ums Geld, das viele. Hans wollt ein Frauchen, hübsch und fein, die Helga sollt die Seine sein. Und als er sich ihr Herz genommen, ist er sehr schnell aus dem Anzug gekommen. Danach nahm alles seinen Lauf; die Liebe höret nimmer auf? In fünfzig Jahr sei's noch wie heut. Ich wünsch euch eine glückliche Zeit und dass ihr nie mit der Liebe spart, das hofft und glaubt Freund Eduard.
Bube: Wir zeigen euch ein kurzes Stück. (Zum Brautpaar) Bei euch ging's anders aus, zum Glück! Mädchen: Hänschen saß im Schornstein und flickte seine Schuh. Bube: Da kam ein hübsches Mädchen und sah ihm zu. Mädchen: Sie sah ihm zu und dachte, den nimmst du nicht, der hat zwei linke Hände, und blöd ist, was er spricht. Bube: Mädchen, willst du freien, so freie dich mit mir. Ich habe noch zwei Dreier, die will ich geben dir! Mädchen (schnippisch): Zwei Dreier sind zu wenig, zwei Groschen sind zu viel: da bleib ich lieber ledig und tue, was ich will! Bube: Wir zeigten euch ein kurzes Stück. Bei euch ging's anders aus, zum Glück!
Ein Auge hatte wohl geworfen die (Karin) auf 'nen feschen, doch etwas schüchternen jungen Mann, drum tat sie gleich vorpreschen. „Den oder keinen", meinte sie, „der geht mir in die Netze." Viel Zweifel plagten sie wohl nie, sie dacht nur: Auf die Plätze! Die (Karin) ist emanzipiert, da hat sie ihn gefragt; und (Udo) ist ein höflicher Mensch, drum hat er „Ja" gesagt. Jetzt treten sie in den Ehestand, da gibt es keine Reue; es gehen beide Hand in Hand und halten ewige Treue!
Beschützt von einem Engel, so ziehst du nun durchs Land. Es gab ein wilder Bengel dem Engel seine Hand. Er schwur dem Engel einsam die Treu und das ist schön; weil beide nun gemeinsam durchs Eheleben gehn!
Manche Mädchen werden schlau, werden plötzlich Ehefrau, pfeifen auf den Jungfernstand, zeigen's allen hier im Land, dass, wer wagt und sich nicht ziert, bald den schönsten Mann heimführt; mit ihm scherzt und glücklich ist und die Freundinnen vergisst. Dann nach Scherz und Sonnenschein kommen bald auch Kinderlein. Man entsinnt sich erst nach Jahren, dass da auch noch Freunde waren. Wir doch mahnen im Gedicht: Liebe X, vergiss uns nicht! Denk in deinem großen Glück trotzdem mal an uns zurück!
Vom Himmel kam ich in die Stadt, weil irgendjemand Hochzeit hat. In diesem Hause soll es sein, drum stell ich mich als Engel ein, dem Brautpaar lieb zu gratulieren. Sie sollen eine gute Ehe führen von heute an wohl 60 Jahr, wenn das gelingt, wär's wunderbar. Dies ist die Botschaft, die zur Nacht vom Himmel ich hab mitgebracht. Sonst hab ich nichts. Auch die Geschenke hab ich vergessen und ich denke, vor Aufregung kann das passieren, und besser, als den Kopf verlieren, ist's allemal! Bleibt immer heiter ... Oh je, jetzt weiß ich nicht mehr weiter, und ... ich vergess noch in der Eile die letzte Silbe dieser ... dieser ... Zei ...!